Königinnen in der Pandemie

Die Schützenköniginnen Karin Falke (Brake, links) und Franziska Sauerländer (Lemgo) (Text und Fotos: Judith Stracke)

Das Schützenfest ist Corona zum Opfer gefallen. Zurück bleiben Königinnen, denen der große Auftritt im prächtigen Kleid versagt blieb – und die Hoffnung auf zukünftige Feste.

Es ist nicht irgendein Termin. Königlicher Besuch wird erwartet. Im Moment ist es aber eher ein Zusammenkommen mit Abstand. Auf dem Sofa. Im Wohnzimmer. Wegen der Pandemie. Corona-Königin zu sein schmerzt. Wie „frau“ trotz alledem in diesen schwierigen Zeiten Contenance bewahrt, erzählen zwei außergewöhnliche Frauen, die zusammen Platz nahmen: die amtierende Königin der Lemgoer Schützengesellschaft, Franziska Sauerländer, und die der Braker Schützengemeinschaft, Karin Falke.

Auf der Homepage der Braker läuft ein Zeitticker. Er zeigt die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden an, die es noch bis zum möglichen Schützenfest in Brake im kommenden Jahr sein werden. Es sind weniger als 300 Tage. Von Vorfreude ist bei Karin Falke aber nicht wirklich viel zu spüren. „Ich habe so viel verpasst, was man nicht nachholen kann. Es nützt nichts, Königin zu sein und keiner kriegt es mit“, sagt sie.

Zweite Chance in der Verlängerung

Das unschöne Gefühl hat Franziska Sauerländer mit der Lemgoer Schützengesellschaft schon irgendwie hinter sich. 2018 hat sie ihren Kindheitstraum der Königin wahr gemacht. Ihre Amtszeit sollte eigentlich mit dem Locken der Majestäten und Hauptmännern, ihrem Königinnen-Ball und schließlich dem Schützenfest vor drei Wochen ihre verdiente Krönung erhalten. Doch Corona kam. So musste sie sich schweren Herzens mit ihren bis dahin einzigen Auftritten beim Schützenfest in Brake und Bösingfeld abfinden, bis, ja bis sie vom Vorstand gefragt wurde, ob sie sich vorstellen kann, noch zwei weitere Jahre bis zum möglichen Schützenfest 2022 zu regieren.

Die begeisterte Schützin aus einer mit Herzblut stammenden Schützenfamilie, 38 Jahre jung und damit eine der jüngsten Königinnen der Vereinsgeschichte, strahlt über so ein Angebot: „Es ist eine Riesenehre, verlängern zu dürfen. Dafür bin ich sehr dankbar. Genau wie über die aktive Unterstützung meiner gesamten Familie. Und ich bin auch erleichtert.“

Die Königin bestimmt, was getragen wird

Erleichterung auch beim Blick in den königlichen Kleiderschrank: die rund ein Dutzend angeschafften, bezaubernden Königskleider werden definitiv zum Einsatz kommen und mit ihnen wird ein ganz besonderer Dresscode in die Lemgoer Schützengesellschafts-Geschichte eingehen. Denn: die Königin gibt den Ton an und das im wahrsten Sinne des Wortes. Im Falle einer Franziska Sauerländer, die in die Amtsperiode ihres Papas als König hineingeboren wurde und das Königskind genannt wird und mit der Geburtsurkunde als Mitglied der dritten Kompanie sozusagen annektiert wurde, bedeutet das: Die Throndamen werden einheitlich mit der Königin gekleidet sein. Teamspirit, der auch im Kleiderschrank regiert und der der attraktiven Hoheit und ihrem Stab schon viel Anerkennung eingebracht hat. „Vor allem auf dem Schützenfest in Brake im vergangenen Jahr waren alle von unserem Auftritt begeistert“, erinnert sie sich mit einem Lächeln.

So ein Feedback beziehungsweise überhaupt die Möglichkeit dafür wünscht sich auch Karin Falke für die Gastauftritte in Lüdenhausen und Lemgo. Die Garderobe ist zwar besorgt, hängt aber ungesehen und ungenutzt im Schrank , weil bis dato für sie (fast) alle Festivitäten ins Wasser gefallen sind. Ihre positive Haltung und ihren Humor hat die 52-Jährige aber dennoch nicht verloren.

Ein Corona-Fest möchte niemand

Das zeigt nicht nur ihr steiler Karrieregang in der Braker Schützengemeinschaft. Als zapfende Aushilfe in der Rottbude vor zwölf Jahren gestartet, bestieg sie 2015 den Thron als Throndame aus der fünften Kompanie. „Da habe ich Lunte gerochen“, verrät sie lachend. Als Ehefrau des Rottmeisters der ersten Kompanie und Mama eines Sportschützen und ehemaligen Jungschützenkönigs weiß sie, wie „frau“ den Königstitel erlangt und vom König gefragt wird: „Mit ganz viel Leidenschaft.“

Die und ein großes Herz voller Respekt und Tradition für das Schützenleben teilt und verbindet sie mit Franziska Sauerländer. Und weil so ein Schützenleben als Königin weit mehr als ein Schnatgang ist, sind die majestätischen Wege in einer Pandemie auch etwas länger und weiter. Auch wenn es bis dato eher eine traurige Regentschaft war. „Unter diesen Umständen wollten und wollen wir auch gar nicht feiern“, sind sich die Königinnen einig, erheben sich vom Sofa und schnüren für das Pressefoto ihre Königsroben. Sie lächeln und jetzt fehlt nur noch das Volk, dem sie eines Tages wieder huld- und würdevoll und voller Respekt und mit ganz viel Leidenschaft, Herz und royalem Pflichtbewusstsein zuwinken werden.

Lesen Sie nächste Woche, was die Herren Könige dazu zu sagen haben und wie es unter anderem um ihre Garderobe bestellt ist.

 

 

Könige in der Pandemie

Könige ohne Fest: Horst Korf (links) und Daniel Becker blicken auf ihre ungewöhnliche Amtszeit. (Text und Foto: Judith Stracke)

Da schafft man es auf den Thron, und dann kommt Corona. Die amtierenden Lemgoer Schützenkönige tragen es mit Fassung und einer Portion Humor.

Sie sind absolut treffsicher und machen eine gute Figur, nicht nur am Schießstand: Daniel Becker, seit 2018 König der Schützengesellschaft Lemgo und Horst Korf, der beim Schützenfest 2019 in Brake die entscheidende Zehn schoss und damit den Thron bestieg.

Der Lemgoer König hat Humor. Das beweist er, als es um seinen Dresscode für das Foto geht. „Wir sind zwar unkomplizierter als die Frauen, haben aber einen Frack“, sagt er. Will heißen: Daniel Becker braucht knapp eine Stunde, inklusive Vorbereitungen wie die Westenflügel zusammen zu knöpfen, Hemd- und Manschettenknöpfe parat zu legen sowie die Weste inklusive Fliege durch die Hemdkragenschlaufe zu fädeln, um seine königliche Kleiderpflicht zu erfüllen. Dagegen sind selbst geschnürte Königinnenkleider wesentlich schneller angezogen. Wir einigen uns auf eine Marscherleichterung. Er kommt in Anzug mit weißer Mütze.

Den Frack hat er zum letzten Mal bei seinen bislang einzigen königlichen Auftritten bei den Schützenfesten in Brake und Bösingfeld getragen. Daniel Becker hat aber nicht nur Humor, sondern auch eine Menge positive Gelassenheit, wenn es um seine außergewöhnliche Amtszeit geht. „Ich bin zwei Jahre länger mit einer hübschen Königin dran und kann verstärkt an den Schießsportveranstaltungen teilnehmen“, bekennt der Geschäftsführer des Schießsportvereins der Lemgoer Schützengesellschaft.

Für die Zehn braucht man gute Nerven

Schießen ist seine Leidenschaft und den königlichen Treffer wollte der gebürtige Lemgoer schon länger setzen. Mit zwölf Jahren trat er in die Schützengesellschaft als aktiver Sportschütze ein. Seine Mama, liebevoll „Queen Mom“ genannt, wird 2000 Königin, seine Frau Iris 2010. Aber so ein Königsschießen ist eben kein Spaziergang. Der 48-Jährige bekennt: „Ich war immer zu nervös“. Den Volltreffer mit einer guten Zehn landete er schließlich 2018. Im zweiten und letzten Schuss aus 50 Metern und einer Neun im ersten Schuss. „Für mich war es immer klar, wenn ich es schaffe, mache ich es gerne“, strahlt der Schütze aus der vierten Kompanie.

Das gerne machen spürt man auch bei Horst Korf. Der eingefleischte Bräker aus der fünften Kompanie traf 2019 gleich zwei Mal in die Zehn. Er scheint die Ruhe selbst zu sein. Vielleicht liegt es am etwas einfacheren Braker Dresscode. Dort trägt der König nämlich „nur“ einen schwarzen Anzug. Davon hat Horst Korf gleich drei in seinem Schrank und verrät mit einem Lächeln: „Die drei Garnituren brauche ich beim Schützenfest wegen des Schwitzens, nicht wegen des Regens.“

Ob er mit 80 Jahren, drei Enkelkindern und drei Urenkeln der älteste König in der Geschichte des Braker Schützengemeinschaft ist, weiß er nicht. Was er weiß: „Den wahren Volltreffer habe ich gelandet, weil meine Familie hinter mir steht und meine Königin und der Thron passt.“ Die richtige Königin hat er in Karin Falke offensichtlich gefunden, auch wenn die royalen Verpflichtungen bislang auf der Strecke geblieben sind und er seit dem Königsschießen keinen Auftritt mehr hatte.

In der Krise halten die Lemgoer Schützen alle zusammen

1957 trat Horst Korf in die Schützengemeinschaft ein. Seit 1998 ist er aktiver Sportschütze. Schießen geht glücklicherweise (fast) immer und das freut offensichtlich beide Könige. Daniel Becker sieht seine verlängerte Amtszeit als neue Chance, nochmal den begehrten Kreiskönig-Titel zu erschießen. Horst Korf ebenso, was er schlagfertig mit folgenden Worten zum Ausdruck bringt: „Warte mal ab. Ich fahre da auch hin.“

Aber nicht nur die Leidenschaft für den Schießsport und ihren Humor teilen sich die beiden sympathischen Könige. Die amtierende Lemgoer Königin Franziska Sauerländer saß als Kind bereits auf dem Schoss ihres jetzigen Königs. Und aufgepasst, auch auf dem von Horst Korf.

Trotz der Konkurrenz am Schießstand und des unterschiedlichen Dresscodes scheinen sich Schützengemeinschaft und Schützengesellschaft bestens zu verstehen. Das zeigt auch ein Blick in die Zukunft: Falls das Schützenfest in Brake im  kommenden Jahr abgesagt werden muss, sollte es ebenso um zwei Jahre verschoben werden. Darin sind sich Ihre Majestäten aus Lemgo und Brake einig: „Zwei große Feste in einem Jahr machen keinen Sinn.“



Beim Schützenfest 2019 hat Horst Korf die entscheidende Zehn geschossen und wurde somit neuer König der Schützengemeinschaft Brake.
An seine Seite wählte er sich zur Königin Karin Falke.
Neues Koenigspaar
Weitere Thronpaare:

Ingrid Korf und Thomas Falke

Cäcilia und Michael Reuland

Doris und Bernd Steinmetzler